Pyrenäen - Tour im Juni
Die Idee zu einer Tour in die Pyrenäen entstand schon vor längerer Zeit. Eine Gegend, von der viele schwärmen, die aber auch weit weg ist. Mitreisende fanden sich schnell mit Markus und Mona im Nissan Navara, Max und Sandra im Jeep Commander, Lucas im Hilux, Basti im Hilux, Kalle im Nissan Navara und Marcel im Nissan Patrol. Die grobe Planung: Auf der Landstraße durch Frankreich, da interessanter und man spart die hohen Mautgebühren. Dann einige 4x4-Touren in den spanischen Pyrenäen und ab Mitte der zweiten Woche wieder langsam zurück. Markus war so nett und hat die Tour dann ausgearbeitet, so dass wir loslegen konnten! Mein Hilux ist komplett gepackt für 14 Tage schlafen unterm Hardtop.
Die Anreise gestaltet sich teilweise individuell. Lucas und ich fahren am Samstag los, treffen in Mannheim zusammen und fahren dann über Freiburg zur Grenze. Von dort aus geht es los auf gut ausgebauten Landstraßen. Bei Comberjon finden wir ein Plätzchen, wo wir niemanden stören und am Waldrand übernachten.
Vorbei an Dijon, bekannt durch den gleichnamigen Senf, tuckern wir gemütlich durch die Landschaft der Bourgogne bis zum Lac de Settons, wo wir mit den anderen zusammentreffen. Ein schöner Campingplatz am See, der nette Betreiber ist Offroadern sehr zugetan. Irgendwann treffen dann Markus und Mona und Kalle an, wir verbringen einen schönen Nachmittag bei gutem Wetter mit Blick auf den See.
Am nächsten Tag geht es weiter, wir müssen Kilometer machen. 600 km Landstraße ohne Maut sind nicht ohne, dementsprechend lange brauchen wir auch! Vorbei an dem sagenhaften Alesia, wo Vercingetorix den Römern unterlegen ist, führt uns der durchaus abwechslungsreiche Weg durch die Landschaft der Auvergne. Auf einer schmalen Landstraße müssen wir einem LKW ausweichen, der Graben rechts ist so gut wie nicht zu sehen, was Lucas in eine durchaus bedenkliche Schräglage bringt! Wir hängen uns an den Hilux und lotsen ihn langsam wieder aus dem Graben – mit Untersetzung und 2 Sperren steht der Hilux bald wieder auf allen Reifen.
An Clemant-Ferrand vorbei erreichen wir dann irgendwann den Campingplatz Majola bei Ville Mustausson. Bei angenehmen Temperaturen besuchen wir die Weinstube am Platz, Basti ist inzwischen auch eingetroffen. Er kommt direkt von der Abenteuer Allrad – Messe in Bad Kissingen.
Nur ein paar Kilometer entfernt liegt die mittelalterliche Festung und Stadt Carcassone. Da wir noch recht zeitig dran sind, ist noch nicht viel los und wir können uns ohne Touristenströme die Befestigung und Innenstadt anschauen. Da freut man sich auf ein original französisches Croissant und dann haben die um halb Zehn nur noch 4 vorrätig! Dann halt nur ein Kaffee. Jedenfalls beeindruckend, die Stadt und auf jeden Fall einen Besuch wert! Unser Weg führt uns weiter durch die ersten Ausläufer der französischen Pyrenäen. Wir passieren die „Grotte du Mas D´Azie“, die wir zuerst durchfahren, dann aussteigen und zu Fuß anschauen. Die Straße führt mitten durch die Grotte, so was gibt´s wohl sonst fast nirgends. Absolut sehenswert!
Unser nächster Camingplatz liegt in Luzenac. Mit Marcel und seinem Patrol ist unsere Truppe nun komplett. Die gute Frau an der Rezeption ist wohl nicht auf sieben Fahrzeuge vorbereitet und etwas überfordert. Für einen billigen Preis von ca. 8 Euro pro Fahrzeug bekommen wir aber Stellplätze nebeneinander. Ein eher einfacher Platz, der sich für eine Übernachtung gut eignet. Mit rund 15 Grad ist es hier im Tal nicht sonderlich warm, da kann man schon mal ein Jäckchen auspacken.
Nun ist es nicht mehr weit zum Steuerparadies Andorra. Bei dichtem Nebel kämpfen wir uns den Berg hinauf, oben tanken wir günstig voll und gleich danach wird das Wetter schlagartig besser! Es geht wieder hinunter ins Tal. Ob Andorra schön ist, mag jeder anders beurteilen, ich finde es nicht sonderlich schön. Viel Verkehr, aber tolle und seltene 4x4, viele Cafés und Geschäfte. In einem großen Supermarkt kaufen wir ein für die nächsten Tage, bevor es auf unbefestigten Wegen auf alten Schmugglerpfaden weitergeht. Die sind auch durchaus etwas grober, wir durchqueren Bachläufe und viele Wasserlöcher. Viele Kilometer Geschaukel weiter erreichen wir das Rifugi de la Basseta-Estacio. Wir fragen nach einem Übernachtungsplatz und können tatsächlich am großen Parkplatz nächtigen, kostenlos! Im Rifugi trinken wir ein Bierchen, Marcel hat an einem der dortigen Grillplätze bereits angeheizt, so dass wir uns unsere gekauften Steaks schmecken lassen können. Am Abend wird es empfindlich kalt dort oben auf 1700 m, am nächsten Morgen stehen wir bei 4 Grad auf!
Nach einem kurzen Frühstück und dem Besuch einer neugierigen, riesigen Kuhherde geht es gleich nahe dem Refugi wieder auf Piste mit teilweise tollen Ausblicken hinauf zum Refugi d´ Esplá. Eine geniale Piste am Felsen entlang. Wir sind alleine hier oben, auf einem Plateau gibt es eine Schutzhütte, die einigen Fahrzeugen genug Platz zum übernachten gibt. Dort verbleiben wir und verbringen einen wunderschönen Nachmittag in dieser tollen Location mit spektakulären Ausblicken ins Tal und die umliegenden Berge. Und abends bietet sich uns noch ein Sonnenuntergang vom Feinsten!
Nur ein kurzes Stück zurück, dann folgen wir der Piste weiter. Bei einem Brunnen unterwegs ergänzen wir unsere Wasservorräte und folgen viele Kilometer dem teils recht grob geschottertem Weg. Am Ende folgt ein kurzes Stück Teerstraße, bevor es gleich weitergeht zum nächsten 4x4-Track. Von oben führt eine steile Schotterstraße hinunter ins Tal, dann folgen wir der Teerstraße. Weiter geht´s dann wieder auf Schotter hoch in die Berge. Da wir uns oberhalb der Baumgrenze befinden, hat man immer wieder spektakuläre Ausblicke auf die umliegenden Berge. Der Weg führt immer am Hang entlang bis zu einem Aussichtspunkt. Unterwegs beobachten wir Murmeltiere und Steinböcke.
Von dort aus würde es wieder hinunter ins Tal gehen, noch ein paar Kilometer und wir hätten die lange Strecke hinter uns gebracht – wenn nicht ein Absperrband und eine Sperrung erst mal die Weiterfahrt verhindern würde! Markus meint, es gäbe noch eine Ausweichroute, jedoch schaffen wir es dann nicht mehr, den vorab reservierten Campingplatz anzusteuern! Also schlägt Marcel vor, als Scout den Grund für die Sperrung ausfindig zu machen. Tatsächlich handelt es sich nur um eine Tage zuvor betonierte Stelle von vielleicht 50 m, deren Befahrung kein Problem darstellt. Man war wohl zu faul, oben die Absperrung zu entfernen. Also können wir die Strecke problemlos hinunter fahren und erreichen dann nach ein paar Kilometern den Valle Fosca-Campingplatz. Ein schön gelegener kleinerer Platz direkt am Bach, wir werden freundlich empfangen und können wieder alle nebeneinander stehen. Im nur ein paar hundert Meter entfernten Dorf essen wir zu Abend und sitzen dann am Campingplatz noch etwas beieinander.
Wir verlassen das Tal, nach ein paar Kilometern zwingt uns aber aufsteigender Rauch aus Lucas Hilux zu einem Stopp. Die Bremsen waren zu fest angezogen und wurden heiß – aber da Lucas ja Mechaniker ist, dauert die Reparatur glücklicherweise nicht sehr lange! Wir kaufen noch Öl in La Bobla d´ Segur und kaufen dort im Supermarkt ein, bevor es auf der Hauptstraße im Tal weiter geht bis zum Einstieg in die nächste Piste bei Alós d´ Isil. Es geht auf sehr staubiger Piste durch ein wunderschönes Tal. Da Wochenende ist und auch einige Wanderer und Radler unterwegs sind, halten wir mehr Abstand als sonst und fahren natürlich langsam an denen vorbei. Wir kämpfen uns auf ein hochgelegenes Skigebiet, von dort aus suchen wir einen Campingplatz. Basti, Lucas und Markus und Mona fahren noch eine weitere Piste, dem Rest reicht die Tour und wir steuern gleich den heutigen Campingplatz an.
Der Check-In am Campingplatz „Verneda“ ist sehr freundlich, auch hier ist nicht so viel los und wir bekommen Plätze, die alle zusammen liegen. Ein sehr schöner Platz mit Pool und komfortablen Sanitäranlagen, unter schattigen Bäumen verbringen wir den Tag, der Rest trifft auch bald ein. Lucas verlässt uns und tritt schon etwas früher die Heimreise an, wir wünschen ihm noch eine gute Heimreise und verabschieden uns herzlich von ihm.
Über den Col d´ Espira auf 1407 m, Laspaules und dem Coll de Fadas geht´s weiter nach Castejon de Sas. Dort biegen wir ab nach Chia, ab dort weiter Offroad bis Plan. In Escalona machen wir Halt und lassen uns ein gutes spanisches Mittagessen schmecken – die Lammkoteletts aus dem regionalen Tal waren jedenfalls absolut lecker!
Es gibt viele verlassene Dörfer in dieser Gegend. Die stehen schon sehr lange leer, die Natur erobert das Terrain langsam wieder zurück. Diese kann man auf Pisten erreichen. Und die ist zumindest auf der bergaufführenden Seite gespickt mit tiefen Querrillen, die das eine oder andere Mal die Traverse der Anhängerkupplung aufsitzen lassen! Tatsächlich lebt im letzten brauchbaren Haus dieser ehemaligen Siedlung noch einer! Er beachtet uns nicht weiter, auf der anderen Seite ist der Weg etwas besser, bis die Piste irgendwann nach einem Steinbruch in der Nähe von Fiscal wieder auf Asphalt endet. Nicht weit davon entfernt finden wir einen wunderschönen Platz zum Übernachten am Fluss. Es ist heiß und staubig wars genug, deshalb lockt der kleine Fluß mit einem erfischendem Bad in glasklarem Wasser! Die Nacht ist ruhig, es wird ab jetzt auch nicht mehr kalt.
Vom Platz am Fluss geht´s über Yobra de Basa zum nächsten 4x4-Track. Zuerst ist es nur Piste, dann geht es nach einer Bachdurchquerung rechts den Berg hoch. Ab da ist auf jeden Fall Allrad und Untersetzung erforderlich! Max und Sandra wollen das ihrem Jeep Commander nicht zumuten und fahren weiter, um gleich nach dem nächsten Campingplatz zu suchen. Wir kämpfen uns im Schritttempo den Berg hoch, besser wird das aber nicht! Tiefe und ausgewaschene Rillen auf eine Länge von 19 Kilometer, zudem kommt man nicht umhin, über größere Steine zu fahren und jeder nimmt von dort ein paar Andenken in Form von Kratzern der in den Weg hängenden Äste mit nach Hause. Tapfer kämpfen sich unsere Autos entlang der Piste, von der man den Eindruck hat, hier wäre schon länger keiner mehr gefahren. Im Buch ist die Strecke mit Schwierigkeitsstufe 3 beschrieben, ich würde schon eher sagen, dass es eine 4 ist! Aufmerksamkeit ist hier Pflicht, manche Verschränkungen bringen die Pickups schon an ihre Grenzen!
Unterwegs machen wir noch einen Abstecher zu einem verlassenen Dorf. Auch hier schon jahrzehntelanger Leerstand, wir stöbern etwas in den Ruinen herum. Dann geht es wieder hinunter ins Tal auf grobem Schotter. Nach etlichen Kilometern Autobahn kaufen wir in der größeren Stadt Huesca ein, Basti hat ein Problem mit dem ABS-Sensor seines Hilux. Eine Dampfstrahl-Wäsche später hat sich das Problem gottseidank erledigt, aber leider hat es einen seiner Reifen auf der Piste erwischt, eine Ausbuchtung sieht nicht gut aus. Die letzten Kilometer zum Campingplatz Castillo de Loarre in der Nähe der gleichnamigen Burg legen wir daher etwas vorsichtiger zurück. Nach dem Check-In genießen wir den schönen Platz, nachdem Basti den Reifen seines Hilux gewechselt hat, gönnen wir uns ein Bad im Pool. Die Campingplatz-Katze findet wohl Gefallen an uns, weicht nicht mehr von unserer Seite. Wir taufen sie einfach „Juanita“. Abend trinken wir im Campingplatz-Lokal eine kalte Cerveza, danach entlädt sich ein Gewitter über uns.
Da es nur ein paar Kilometer zum Castillo de Loarre sind, schauen wir uns diese tolle Burg natürlich an. Sie ist sehr gut erhalten und diente schon als Location für diverse Filme. Unterhalb der Burg schließt sich unser letzter Offroad-Track an, der zuerst auf breiter Piste an den Hügeln entlang zu einer anderen Burgruine führt. Dort packt Max die Drohne aus und wir machen ein paar schöne Aufnahmen mit den Fahrzeugen und der Burgruine im Hintergrund. Ober uns kreisen die Geier, die auf dem steilen Felsen gegenüber ihre Horste haben. Von dort aus bis zum Endpunkt wird die Piste dann wieder schlechter, wir rumpeln weiter, bis die Strecke schließlich nach einer hoch über der Schlucht liegenden Brücke endet.
In Jaca tanken wir und verabschieden uns von Kalle und Marcel, die noch die Grand Alpe – Tour fahren wollen. Wir wollen ans Meer und fahren durchs Valle de Aragon hinüber nach Frankreich, wo wir irgendwann Moliets-et-Maa erreichen und am Campingplatz St. Martin einchecken. Dieser liegt direkt am Meer und in 10 Minuten hat man fussläufig den Atlantik erreicht. Ein wunderschöner Anblick! In einem der zahlreichen Restaurants vor dem Campingplatz lassen wir uns ein Essen schmecken. Der Fünf-Sterne-Campingplatz kostet um diese Jahreszeit gerade mal 20 Euro, wirklich mehr als OK.
Markus und Mona wollen nach Bordeaux, um die Stadt anzuschauen. Normalerweise mag ich Städte-Besuche, aber bei 35 Grad beschließen Max und Sandra und ich, doch weiterzufahren. Wir verabschieden uns von den beiden, bedanken uns für die tolle Tour und fahren nach einem Bad im Atlantik weiter. Über teilweise schnurgerade Landstraßen verabschieden wir uns auch von Basti, der auf direktem Weg nach Hause fährt. Wir landen im Weinbaugebiet Monbazillac, Sandra hat dort beim Weingut Chateau du Haut-Pezand einen Stellplatz reserviert. Gottseidank hat das Gut ein paar schattige Plätze, irgendwann kommt die Besitzerin vorbei und wir können nach einer Weinprobe Wein kaufen und einige andere Spezialitäten aus eigener Herstellung mit nach Hause nehmen. Ein toller Sonnenuntergang über den Weinreben rundet den Tag ab.
Über Bergerac, Limoges und Autun geht es über Landstraßen weiter bis Array Le Duc. Dort hat Sandra zwei Stellplätze am dortigen Campingplatz für uns reserviert. Dieser hat sowohl einen Pool als auch einen Badesee – bei 37° eine willkommene Abkühlung!
Irgendwo unterwegs kriege ich einen Stein in die Scheibe, natürlich genau im Sichtfeld. Der Verursacher: Ein Mäh-Traktor am Straßenrand. Über Gray fahren wir bei Mulhouse Richtung Freiburg, natürlich erst mal Stau. Willkommen in Deutschland! Da wir noch einen Tag Zeit haben, machen wir noch eine Zwischenübernachtung im Schwarzwald am Campingplatz Rehmühle. Tatsächlich erwischt uns ein kleines Gewitterchen, das sich aber wieder verzieht und uns im Campingplatzeigenen Restaurant ein gutes Essen genießen lässt. Erst später am Abend kommt noch ein Regenschauer, am nächsten Tag legen wir dann über Stuttgart die letzten 350 km zurück bis heim in die Oberpfalz.
Nach 4430 km Gesamt-Fahrstrecke hat sich mein Hilux genau 9 Liter AdBlue gegönnt. Alle Fahrzeuge haben gut durchgehalten, größere Ausfälle gab´s gottseidank nicht. Unsere Pyrenäen-Tour war ein voller Erfolg – sehr abwechslungsreiche Gegend, eine tolle Truppe, von 4 Grad bis 38 Grad, Sonne pur bis Regen war alles dabei, überwiegend jedoch sehr gutes Wetter. Landschaftlich spektakuläre Strecken bieten für jeden etwas, das Bad im Atlantik war auch ein absolutes Highlight. Man sieht viele Facetten von Frankreich, wenn man das Land auf Landstraßen durchquert. Allerdings würde ich nächstes Mal wohl trotzdem die Autobahn wählen und lieber die Mautgebühren zahlen, weil man halt schon lange unterwegs ist. Es war nie viel los, weder auf den Campingplätzen noch auf den Offroad-Pisten, also wohl die perfekte Jahreszeit für einen Trip dorthin! Wir haben so viel gesehen, dass ich gar nicht jedes Detail beschreiben kann und nur das Wichtigste aufgeschrieben habe – ich denke, dieser Trip wird uns allen noch lange in positiver Erinnerung bleiben!
(Jürgen Krauß)