im Februar

 

Der Name „Gradisca“ ist ja in Offroad-Kreisen schon seit vielen Jahren nix unbekanntes. Diese Rallye, die eigentlich gar keine richtige ist, hat sich fest etabliert, wie oft haben wir schon drüber geredet, am Lagerfeuer, mit Leuten, die dabei waren, auf Treffen usw.?

 

Irgendwann im Herbst fiel die Sprache bei einem unserer Grilltreffen wieder darauf. Und der Entschluss, da mal mitzufahren, reifte immer mehr! Und es hatten da noch mehr unserer Jungs Bock drauf, so dass wir uns schnell einig wurden, uns da sofort anzumelden, sobald die Anmeldung online war! Der Rest wollte das noch mit einer Tour vorher nach Kroatien und Bosnien verbinden, Sigi und ich haben noch ein Hotelzimmer ergattern können und waren von Mittwoch bis Sonntag dabei. In Gradisca d´Isonzo sollten wir dann wieder zusammentreffen.

 

Also starteten wir am Mittwoch über München, Salzburg und Villach, immer Richtung Udine. Leider überraschte mich eine Erkältung mit fettem Husten, wie unpassend ausgerechnet jetzt! Die begleitete mich auch zuverlässig durch die Tage, so dass ich doch etwas gehandicapt war, aber Chemischer Keule sei Dank hab ich doch alles gut überstanden und bin jetzt gerade auf dem Weg der Besserung. Nach 686 km erreichten wir das kleine Städtchen Gradisca im norditalienischen Friaul, nicht weit weg von Slowenien und dem Meer Richtung Trieste. Wir waren wohl wirklich die allerersten, checkten in unserem Hotel „Al Ponte“ ein und fuhren dann zum kleinen Marktplatz. Hier ist das Rondell, wo ab Freitag die 4x4 das Städtchen dominieren. Bei angenehmen 13° und Sonne wirklich nice! Ein Käffchen und Abend ein Essen im hoteleigenen Restaurant, ging schon mal gut los!

 

Da wir noch einen Tag zu unserer Verfügung hatten, sind wir am Donnerstag nach Grado am Meer gefahren. Über Dämme erreicht man die in einer Lagune gelegene Stadt, viel los ist hier im Winter natürlich nicht. Danach sind wir weiter gefahren nach Trieste und haben uns die Stadt angeschaut. Tolle Architektur, nette Cafés. Weiter ging unsere Fahrt hinüber nach Slowenien auf der anderen Seite der Grenze entlang. Ein Tankstopp und eine Polizeikontrolle später waren wir wieder in Italien. Gegen Abend haben wir erfahren, dass Lukas, einem Vereinskameraden, in Bosnien eine Blattfeder gebrochen war, ausgerechnet die oberste Lage. Sie haben das notdürftig repariert und Basti und Lena haben sich ohne Zögern mit einer Blattfeder im Gepäck auf den Weg von der Oberpfalz zum Übergabeort gemacht, eine tolle Aktion, die unseren höchsten Respekt verdient! So konnten wir uns am Freitag doch alle am Start treffen, was auch gut klappte.

 

Wer nicht ganz hinten dabei sein möchte, der sollte auf jeden Fall versuchen, schon bis Freitagnachmittag in Startaufstellung zu gehen. Wir standen alle ziemlich nebeneinander, Tim und Lukas machten sich sofort vor Ort an den Blattfederwechsel. Michl stieß etwas später dazu.  Im großen Saal holt man sich seine Startnummer ab und bezahlt den Rest der Gebühr. Am Nachmittag saßen wir dann bei 13 Grad in der Sonne, umgeben von hunderten von Geländewagen. Und man traf doch viele alte Bekannte wieder, die sich auch angemeldet hatten, einige hatte ich schon jahrelang nicht mehr gesehen! Letztlich doch wie eine große Familie….

 

Als die Sonne verschwand, wurde es natürlich frisch. Januar ist auch in Italien Januar! Also hat Michl in einer Pizzeria angerufen und für uns alle einen Tisch bestellt. Marcel und Christian, meine Kollegen aus der Hilux-Vibes-Gruppe, waren inzwischen auch eingetroffen und auch Christine aus Südtirol mit ihrem Hilux. Nach dem Essen verbrachten die Jungs gleich die Nacht in den Dachzelten am Start, Sigi und ich hatten noch 20 min. Fußweg bis zum Hotel vor uns.

 

Samstag hieß es dann früh aufstehen und frühstücken. Siehe da, die Fa. Taubenreuther und der Heinz P. und der Luck mit seinen Leuten von den Geländewagenfreunden Bayerischer Wald sind auch in unserem Hotel abgestiegen! Die Welt ist manchmal ein Dorf…. Nach 20 Min. strammen Marsch herrschte im Camp schon reges Treiben! Die Miss Venetien wurde mit dem Hubschrauber eingeflogen, und kurz darauf konnte es auch schon losgehen. Jedes Fahrzeug fährt über die Startrampe, ein Bild wird gemacht, man bekommt das Roadbook ausgehändigt und die Tour beginnt! Während Anfangs noch ein großer Konvoi unterwegs ist, zerteilt sich das im Laufe des Tages dann sichtlich. Auf Feldwegen und durch ausgetrocknete Flussbetten arbeiten wir uns weiter vor bis zum ersten Service-Point, wo wir eine Brotzeit und Getränke bekommen. Dann geht es weiter. Es gibt zwei verschiedene Strecken, je nachdem, was jeder fahren möchte. Die eine ist mehr für Geländewagen, die andere für SUV´s. Die haben Julian und Julia mit ihrem Duster unter die Räder genommen. Wir sind weitergefahren, schon klasse, mal legal in einem Flussbett unterwegs zu sein! Eine Wasserdurchfahrt stellte kein Problem dar, es stehen auch immer Bergefahrzeuge in Form von Traktoren bereit, falls mal etwas schiefläuft. Am Service-Point 2 gabs wieder Essen und Getränke, danach ging es wieder ins Flussbett, viele Kilometer lang. Dazwischen dann mal kurze, knackige Sektionen, wo man schon etwas aufpassen muss.

 

Wie wir gehört hatten, war die große Fluss Durchquerung möglich, aber doch mit einem leichten Risiko verbunden. Wir haben uns das verkniffen, ich wollte mich nicht gerade im Flussbett festfahren und womöglich auch noch aussteigen müssen! Das kann aber jeder selbst entscheiden, man muss nur vorher die richtige Roadbook-Tour auswählen. Ein Umfaller im Fluss sowie drei Geländewagen mit starker weißer Rauchentwicklung zeigten doch, dass es schon auch möglich ist, einen Wasserschaden zu bekommen! Wir sind dann zum nächsten Service-Point gefahren, unsere jüngeren Kameraden haben die Fluss Durchfahrt gemeistert, gottseidank ohne Schäden an den Fahrzeugen! Irgendwann so nach 16 Uhr waren wir dann wieder in Gradisca, haben uns mit Christine aus Südtirol getroffen und in einem Café noch was getrunken. Im großen Saal kann man das Roadbook zurückgeben und erhält noch eine Erinnerung in Form einer Tafel mit dem Gradisca-Logo. Noch ein Erinnerungsbild und wir sind zurück ins Hotel, ich war auch ziemlich platt, muss ich zugeben.

 

Am Sonntag nach dem Frühstück hieß es dann Abschied nehmen von Gradisca, 7 Stunden später sind wir ohne Stau in der Oberpfalz aufgeschlagen. Es war eine wirklich richtig gelungene Veranstaltung, kann man nicht anders sagen. Die Liebe zum Detail, die Verpflegung, die Strecken, all die hilfsbereiten Menschen – wo gibt’s das sonst? Der Alpe-Adria-4x4-Club hat wieder sein Bestes gegeben und diese „Rallye“ zu einem unvergesslichen Erlebnis werden lassen! Ich denke, es hat jedem von uns gefallen! Nun wissen wir, warum der Name „Gradisca“ etwas ganz Besonderes ist und so viele Geländewagen von nah und fern immer wieder im italienischen Friaul anreisen! (Jürgen Krauß)