Probefahrt Dongfeng Rich 9 Anfang März
Nachdem ich ja vor Kurzem den Dongfeng Rich 6 Probe fahren durfte, stand noch eine Fahrt mit dem etwas größeren Rich 9 aus. Heute war klasse Wetter, also bin ich einfach mal beim Autohaus Ackermann in Altenstadt vorbeigefahren und Stefan Ackermann fragte mich, wie spontan ich wäre – in dem Fall sehr spontan! Zack, war die rote Nummer angebracht und der orange Dongfeng Rich 9 stand zur Probefahrt bereit!
Rote Nummer deshalb, da der Rich 9 noch keine Homologation hat und noch nicht offiziell zugelassen werden darf. Was ja kein Hinderungsgrund für eine Testfahrt ist! Wenn er so neben dem Hilux steht, fällt auf, dass er erstens ganz schön groß und zweitens ganz schön hoch ist! Viel Unterschied von der serienmäßigen Höhe zu meinem höhergelegten Hilux ist auf jeden Fall nicht, auch die Länge mit über 5,50 m kann sich sehen lassen! Das ist schon ein Stückchen länger als die Midsize-Konkurrenz, ein RAM ist ca. 5,60 m. Auch ist er breiter als der Rich 6.
Drückt man den Startknopf, grummelt ein 2.3 Liter Diesel unter der Haube. Ein alter Bekannter aus dem Nissan Navara, hier mit 190 PS. Der Wählhebel der Automatik ist der gleiche als im Rich 6, auf „P“ Knopf drücken, für „R“, „N“ und „D“ den linken seitlich angebrachten Knopf drücken. Etwas ungewohnt, aber hat man schnell verinnerlicht. Was fällt auf? Als erstes das Raumgefühl. Und das ist wirklich sehr groß, man hat fast das Gefühl, in einem Fullsize – Pickup zu sitzen! Finde ich richtig gut, genauso wie das leicht abgeflachte Lenkrad, das einen sportlichen Eindruck macht. Das Display ist nicht zu groß und zu präsent, fügt sich gut ins Cockpit ein.
Legt man die Fahrstufe „D“ ein, geht´s auch schon los. Da der Motor stärker ist als der Rich 6, merkt man schon einen Leistungsunterschied! Er zieht richtig gut ab, beim Beschleunigen merkt man sofort, dass die Getriebeabstimmung besser ist als im Rich 6. Das etwas nervöse hin- und herschalten hat der Rich 9 nicht, lässt die Gänge länger ausdrehen. Tempo 100 ist wirklich ruckzuck erreicht, dabei ist er innen sehr leise. Er macht richtig Spaß und ist dabei echt agil zu fahren, was man auch in Kurven merkt. Kein Geschaukel, aber auch nicht unkomfortabel. Eine leichtgängige Servolenkung, die ziemlich direkt ist, macht auch in Kurven eine gute Figur! Schaut man durch die Scheibe, blickt man auf eine wuchtige Motorhaube, die mittig etwas tiefer ist als an den Seiten.
Die Sitze sind aus Kunstleder und natürlich elektrisch verstellbar. So findet man sofort eine entspannte Sitzposition. Auch auf der Rücksitzbank keine beengten Verhältnisse, der Platz ist absolut ausreichend! Auf einer Landstraße mache ich mal eine Bremsprobe, für ein Auto dieser Größe reicht die Bremskraft allemal und verzögert ausreichend schnell. Gut finde ich die Reihe von Schaltern für Klima manuell oder Automatik, Lüftung usw. So kann man ohne in ein Menü zu greifen auch alles prima von Hand mit den Tasten regulieren und einstellen! Der Motor ist beim Fahren zwar präsent, aber nicht dröhnend oder zu laut. Im Display kann man sich allerhand anzeigen lassen, Drehzahlmesser und Tacho sind nett gestaltet, nicht zu modern und gut ablesbar. Mit den Tasten im Lenkrad lässt sich auch einiges einstellen. Fensterheber und Türöffner sind griffgünstig zu erreichen.
Zeit, mal auszusteigen und den Dongfeng von außen anzuschauen. Die Front ist wirklich wuchtig und modern, aber doch nicht zu zerklüftet, wie das bei einigen Mitkonkurrenten derzeit der Fall ist. Der Kühlergrill dominiert die Front, die Scheinwerfer sind stylisch und leuchten wie ein „Z“, denn der Rich 9 heißt in China Z 9. Das sieht wirklich toll aus, schaltet man das Licht ein, leuchtet auch der Mittelsteg unter der Motorhaube. Seitlich hat er eine klassische Pickup-Silhouette, wirkt nicht zu stylisch oder verspielt mit großen, glatten Flächen. Die Ladefläche ist schon etwas größer als z.B. beim Rich 6, ob einem der Bügel auf der Ladefläche gefällt, muss jeder selber entscheiden. Da wäre Raum für den Zubehörhandel! An den Heckleuchten findet sich das „Z“ wieder, gefällt mir sehr gut! Seitlich sind die Rückleuchten nur oben etwas nach vorne gezogen, ansonsten wirken sie nicht zu wuchtig.
Öffnet man die Heckklappe, sieht man einen Dämpfer, der sie mit wenig Kraftaufwand öffnet und auch wieder schließt. Links ist ein Staufach angebracht, auch ein nettes Detail! Reifen und Felgen in 18“ sind nicht riesig, Umbau-Fans würden sich wohl etwas größere Reifen wünschen! Auch da ist Raum für den Zubehörhandel. Ohne jetzt die Bedienungsanleitung studiert zu haben, hat er wohl einen Knopf für manuelles Einschalten der DPF-Regeneration, jedenfalls ist das Symbol dasselbe wie in meinem Hilux. Nicht schlecht! Nett ist auch das Staufach unter dem Automatik-Wählhebel, so was sieht man selten. Vor dem Wählhebel ein Ablageplatz für Smartphones inclusive induktiver Ladestation.
Auf einem unbefestigten Weg schalte ich am Drehhebel erst in den Allrad-Modus, dann in die Untersetzung. Das geht blitzschnell, hakelt auch nicht und funktioniert umgekehrt genauso schnell und problemlos. Angezeigt wird einem der Fahrmodus im Display, in 4L mit einem blauen Symbol. Das Fahrwerk arbeitet komfortabel, die Hinterachse hat Einzelradaufhängung. Legt man den Rückwärtsgang ein, sieht man am Display den Weg nach hinten sowie dank einer 360° - Kamera auch die unmittelbare Umgebung des Fahrzeugs. Legt man wieder die Fahrstufe „D“ ein, schaltet die Rückfahr-Kamera erst ab einer bestimmten Geschwindigkeit aus. Der Wendekreis ist erstaunlich klein.
Die Zuladung beträgt ca. 700 kg. Könnte bei einem Pickup dieser Größe etwas mehr sein, ist aber mit Sicherheit auch mit der Einzelradaufhängung geschuldet. Ein Ford Ranger Raptor darf weniger zuladen! Die Anhängelast steht momentan noch nicht fest, da die Homologation noch nicht abgeschlossen ist. Ich denke, so um die 3 – 3,5 Tonnen wären sicherlich möglich.
Ohne Frage, der Rich 9 ist mit Sicherheit ein angenehmes Langstreckenfahrzeug. Komfortabel, mit vielen netten Gimmicks, ohne jedoch überladen mit Technik zu sein. Möglich macht das eine Zulassung als Kleinserie, bei der andere Bedingungen bei der Zulassung gelten als bei einer Großserie. Nachteil daran ist, dass bei starkem Interesse das Kontingent schnell aufgebraucht sein könnte und somit lange Wartezeiten entstehen! Ich war jedenfalls absolut positiv überrascht von diesem Pickup, der bestimmt viele Käufer finden wird! Dazu ein guter regionaler Händler und ein Preis von 41000 Euro – Ausstattungsbereinigt wird da bei der Konkurrenz nicht viel zu finden sein!
Mein Fazit fällt wirklich sehr positiv aus. Ich mag die Optik, die Abstimmung des 8-Gang-Automatikgetriebes ist besser gelungen als beim billigeren Rich 6. Der Motor ist ausreichend stark, um auch mal schneller vom Fleck zu kommen und macht durchaus Spaß! Klar, ein Sportwagen ist er nicht – aber wer so was möchte, kauft auch keinen Pickup! Das Design sagt mir persönlich sehr zu, dazu die Platzverhältnisse, die echt großzügig sind! Auch die Materialanmutung wirkt nicht billig, wie man das früher bei chinesischen Fahrzeugen hinnehmen musste - alles wirkt robust und gut eingepasst. Bestimmt werden sich einige Zubehörhändler um den Rich 9 kümmern und dann steht einer Individualisierung nichts mehr im Wege! Ich sag vielen Dank an Stefan Ackermann vom Autohaus Ackermann in Altenstadt für die Probefahrt und das angenehme „fachsimpeln“ danach! Und ich bin gespannt, wann man irgendwann den ersten Rich 9 mit Zulassung fahren sieht! (Jürgen Krauß)