Der BAW 212 (T 01)

Den ersten Kontakt mit dem BAW 212 hatten wir ja schon vor einiger Zeit bei der Fahrzeugpräsentation beim Autohaus Ackermann in Altenstadt. Nach allem, was man über diesen neuen chinesischen Geländewagen so im Netz liest, durfte man natürlich schon gespannt sein, ob er in Natura auch so aussehen würde wie auf den vielen Bildern. Der Ausstellungswagen hatte einen Benziner unter der Haube, für den momentan keine Zulassung in Deutschland erhältlich ist. Der derzeit lieferbare Motor ist ein 2.0 Liter Diesel, der demnächst angeliefert werden sollte.

 

Da bei uns eh das 30jährige Vereinsjubiläum unserer Stoapfälzer-4Wheelers anstand, sagte man uns sofort zu, dass wir den BAW als Ausstellungsstück über Pfingsten bekommen sollten! Er wurde tatsächlich rechtzeitig angeliefert und so konnte ich ihn letzten Donnerstag in Empfang nehmen und gleich den ersten Fahreindruck bekommen.

 

So stand ich nun vor ihm und das Erste, was man bemerkt, ist die Höhe. Eigentlich so hoch wie mein höhergelegter Toyota Hilux, serienmäßig! Um den Fahrersitz leichter zu erklimmen, fahren die Trittstufen automatisch nach unten und erleichtern so das Entern des Fahrersitzes. Ein nettes Gimmick, die Trittbretter sehen auch sehr robust aus und integrieren sich nach dem Einklappen in den Schweller. So sind sie wie Rockslider – bleibt zu hoffen, dass sie auch dauerhaft funktionieren, wenn man mal über Steine schrammt oder die Witterung ihnen zusetzt!

 

Man sitzt aufrecht und hoch, wie in einem Geländewagen früherer Zeiten. Ich mag das absolut, da kommt zusammen mit der Optik ein fast nostalgisches Feeling auf. Das Lenkrad ist unten abgeflacht, fast wie in einem Sportwagen. Der Automatik-Wählhebel ist derselbe wie z.B. in den Dongfeng-Pickups Rich 6 und Rich 9, die ich vor kurzem mal fahren durfte. Nach dem Druck auf den Startknopf startet der Dieselmotor. Man hört, dass ein Selbstzünder unter der Haube werkelt, aber der ist dezent und nicht zu laut. Das Gaspedal braucht eine kleine Gedenksekunde, bis es beherzt vorwärts geht. Die Karosserie ist eckig und sehr übersichtlich, die großen Spiegel schaffen einen guten Blick nach hinten.

 

Ich fahre auf die Landstraße und biege dann auf die Autobahn ein. Er beschleunigt für die Leistung von 166 PS ganz ordentlich, mehr als ich erwartet hatte! So ist Tempo 120 zügig erreicht und mir fällt das erste Mal auf, dass er ab 120 anfängt, ein paar Mal zu piepsen. Keine Ahnung, warum. Fällt man darunter und beschleunigt dann wieder, macht er das wieder. Sicherlich eine Einstellungssache im Menü, damit konnte ich mich aber während der Fahrt nicht befassen. Ich beschleunige mal auf 140. Auch in diesem Tempo keine nervigen Windgeräusche, nichts klappert oder knistert. Er läuft sehr spurstabil und ist angenehm leise im Gegensatz zu meinem Hilux mit Dachträger und großen MT-Reifen. Ein angenehmer Reisewagen, die Sitze sind auch ausreichend bequem.

 

In der Anzeige im Cockpit kann man alles Nötige ablesen: Geschwindigkeit analog und digital, die Drehzahl, die Kühlwasser-Temperatur, den Fahrmodus 2H, den Durchschnittsverbrauch und sogar den AdBlue-Füllstand. Mehr braucht es eigentlich nicht. Der Rest ist alles mit Druckknöpfen einstellbar, sehr logisch und funktionell. Und sehr angenehm, sich während der Fahrt nicht durch ein Menü quälen zu müssen und abgelenkt zu sein! Ein Phänomen wollte sich mir während der Fahrt nicht so ganz erschließen: Öffnet man die Fenster einen Spalt, schließen diese nach einer Zeit automatisch. Wie sich aber herausstellte, eine Einstellungssache, die wir dann ausschalten konnten.

 

An einem steileren Berg konnte er mal zeigen, was er kann. Sicherlich beschleunigt er nicht wie ein Sportwagen, dazu ist er zu schwer, zu kantig und auch zu schwach. Aber es ist ein Geländewagen alter Schule und dafür reicht die Leistung absolut aus! Man muss ja auch immer das Preis/Leistungsverhältnis im Hinterkopf behalten. Nach einigen Kilometern war ich dann am Ziel und unsere Gäste konnten den BAW ausführlich in Augenschein nehmen. Es bestand jedenfalls reges Interesse, klar, sind ja auch alles Geländewagenfahrer!

 

Für mich ist die nostalgische Front das Optik-Highlight. Mit serienmäßiger Seilwinde, den runden Scheinwerfern, die trotzdem modern sind, den Querrippen im Kühler und der dazu passenden Stoßstange erinnert er schon an Geländewagen früherer Jahrzehnte. Wer das mag und noch kennt, wird es lieben. Die Seitenoptik ist ein Stil-Mix aus Landrover, Mercedes G, Jeep Wrangler oder Ineos Grenadier. Das Heck ist mit den runden Leuchten auch optisch gut gelungen und nicht zu modern zur restlichen Optik. Die rechts angeschlagene Hecktür öffnet mittels eines Dämpfers ganz leicht. Der Kofferraum ist ausreichend groß, legt man die hintere Sitzbank um, hat man einen echt großen Stauraum. Unter einer Plastikabdeckung findet man Platz für allerlei nützliches Krimskrams.

 

Der Einstieg zur hinteren Sitzbank ist vom Türausschnitt etwas eng geraten, zumindest für Leute ab 1,90 m Größe, wie wir festgestellt haben. Sitzt man aber erst mal, ist wirklich ausreichend Platz auch für größer gewachsene Mitmenschen vorhanden. Auf den Vordersitzen wird es ab 1,90 m für Menschen mit langen Oberkörpern eng. Zwar hat der BAW eine automatische Sitzhöhenverstellung, einige fühlten sich von der Kopffreiheit aber trotzdem etwas beengt. Liegt natürlich auch mit an dem serienmäßigen Schiebedach, das etwas Platz wegnimmt. Für mich als 1,84 m großen Normalbürger kann ich den Sitz sogar nach oben fahren und habe trotzdem genug Kopffreiheit. Sehr angenehm ist die Haptik, die keineswegs irgendwo billig wirkt, eher höherwertig.

 

Der Motorraum ist aufgeräumt und öffnet mittels eines Dämpfers. Darunter ist halt Dieseltechnik auf dem Stand der Zeit. Auf der Motorhaube ist ein serienmäßiger Suchscheinwerfer angebracht, der mittels eines Knopfes eingeschaltet wird und dann mit der Spiegelverstellung gesteuert werden kann, auch senkrecht nach oben. Sperrt man das Auto zu, fährt er automatisch in die Ausgangsposition zurück. Vor dem aktivieren muss aber die Plastikabdeckung des Arbeitsscheinwerfers abgenommen werden. Wer diesen Scheinwerfer nicht mag oder braucht, kann auch eine Abdeckung wählen. Der Scheinwerfer darf nur von innen gesteuert bewegt werden, mit der Hand von außen nimmt er schnell Schaden. Da wird es nicht lange dauern, bis er defekt ist, wenn jemand im Vorbeigehen aus Neugierde mal dran dreht! Ich habe einen Zettel an den Scheinwerfer geklebt, dass er bitte nicht händisch bewegt werden soll.

 

Die Reifengröße ist mit 265/70 R 17 schon auf einem brauchbaren Niveau und einer gängigen Größe. Da werden bald Zubehörfelgen und andere Reifenkombis folgen, genauso wie Fahrwerke und sonstiges Zubehör wie Schnorchel, Dachträger und sonstiges. Als Viertürer eignet er sich hervorragend für Overlander-Umbauten, man darf gespannt sein, was die Zubehör-Industrie da so plant. Die ersten Umbaufirmen haben ihn jedenfalls schon vermessen. Er besitzt zwei Starrachsen, heutzutage auch eine Seltenheit!

 

Alles in allem ein richtig gelungener Geländewagen, der die Szene auf jeden Fall bereichern wird, wie man jetzt schon an der Nachfrage erkennen kann und an etlichen Facebook-Gruppen. Das alles kann man haben zu einem Preis von 40000 Euro. Er kommt als sogenannte „Kleinserie“ zu uns, was einige in Großserie erforderliche Sachen nicht zwingend nötig macht. Was dringend erforderlich ist, ist eine anständige Konservierung, der Schutz ist wie bei vielen anderen Marken auch sehr dürftig. Eine gute Hohlraumkonservierung und Unterbodenschutz, das Autohaus Ackermann bietet das für 1500 Euro Aufpreis an, eine mehr als sinnvolle Option, wenn man ihn länger fahren möchte! Die KFZ-Steuer beträgt derzeit 465 Euro. Welcher andere Geländewagen hat eine Seilwinde und zwei 100%-Sperren serienmäßig an Bord? Ach ja, geben tut es ihn nur in einer Ausstattung: Vollausstattung. Die Wahl hat man nur bei der Farbe.

 

Der BAW 212 ist derzeit nur als Viertürer erhältlich. Wie ich erfahren habe, wird eine kürzere, zweitürige Version nachgeschoben. Was man bereits jetzt bestellen kann, ist die Doppelkabiner-Pickup-Variante, die Ende September lieferbar sein soll und dem Station Wagon bis zur B-Säule gleicht. Der BAW hat in China eine lange Tradition und ist absolut kein Neuling in Sachen Geländewagen. Da das Segment der viertürigen Offroader immer kleiner wird, ist er ein willkommener Neuzugang in der Szene und wird sicherlich viele Anhänger finden! Der unschlagbare Preis macht den Rest. Da bleibt nur zu hoffen, dass er längerfristig auch hält, was er verspricht! Die Fahrt mit dem BAW hat auf jeden Fall großen Spaß gemacht!

Unser Dank geht an das Autohaus Ackermann in Altenstadt / WN., die uns den T01 ein paar Tage zur Verfügung gestellt haben. Wer mehr Fragen dazu hat, einfach bei Stefan Ackermann melden! https://www.autohaus-ackermann.com/&altenstadt

 

(Jürgen Krauß)